Maschinenbau / Fertigung · 150-1.000 Mitarbeitende
KI on-premise im Maschinenbau: Warum der Mittelstand keine Cloud braucht
Wie Maschinenbau- und Fertigungsunternehmen mit der BRW-B01 KI-Rechenstation Qualitätssicherung, Predictive Maintenance und Wissensmanagement betreiben, ohne Betriebsgeheimnisse in die Cloud zu geben.
Wer in einem Maschinenbauunternehmen Verantwortung trägt, kennt diese Situation: Ein erfahrener Fertigungsleiter geht nach 28 Jahren in Rente. In seinem Kopf stecken Prozessparameter für 40 verschiedene Legierungen, Erfahrungswerte zu Werkzeugstandzeiten, das Wissen darüber, warum Bauteil X auf Anlage 3 immer beim dritten Durchlauf nachgerichtet werden muss. Dokumentiert? Kaum. Übertragbar? Schwer. Weg? Bald.
Das ist keine Ausnahme. Das ist der Alltag im deutschen Mittelstand.
Gleichzeitig kämpfen Fertigungsunternehmen mit steigendem Qualitätsdruck, komplexeren Dokumentationspflichten, Lieferkettenproblemen und dem anhaltenden Fachkräftemangel. KI könnte bei all dem helfen. Nur: Wer schickt Fertigungsgeheimnisse an externe Server?
Das Datenproblem kennt jeder, der es anspricht
Nehmen wir ein typisches Szenario. Ein mittelständischer Automobilzulieferer mit 400 Mitarbeitenden will seine Qualitätssicherung automatisieren. Kameragestützte Bildverarbeitung, Fehlererkennung, automatische Klassifikation von Ausschuss. Die Technologie existiert, die Modelle sind reif.
Der naheliegende Weg: Ein Cloud-Dienst, API-Anbindung, fertig.
Das Problem: Dabei verlassen Bilder von Fertigteilen, Toleranzspezifikationen und Fehlerklassifikationslogik das Unternehmen. Diese Daten sind nicht abstrakt. Sie beschreiben genau, wie dieses Unternehmen fertigt, was es fertigt und für welche Kunden. Ein Wettbewerber, der diese Muster kennt, hat einen erheblichen Vorteil. Die Sorge vor Industriespionage ist im deutschen Mittelstand kein Paranoia-Thema, sondern Realität.
On-premise-KI ist deshalb kein Luxus und keine Überzeugungsarbeit für Datenschutzbeauftragte. Es ist eine unternehmerische Grundentscheidung: Wir betreiben KI, aber unsere Daten bleiben bei uns.
Qualitätssicherung und Bildverarbeitung
Die optische Qualitätskontrolle ist einer der ausgereiftesten KI-Anwendungsfälle in der Fertigung. Kameras an der Linie erfassen Bauteile, ein Modell analysiert die Bilder in Millisekunden, Fehler werden klassifiziert und protokolliert. Was früher ein Mitarbeiter mit Lupe und Checkliste erledigte, läuft vollautomatisch. Die Fehlerrate sinkt, die Protokollierung wird lückenloser, und der Mitarbeiter kann andere Aufgaben übernehmen.
Für diese Anwendung braucht man Rechenleistung nah an der Linie und ausreichend VRAM für Vision-Modelle. Latenz ist ein echtes Thema: Wenn die Linie taktweise läuft, muss die Auswertung schnell genug sein, um den Takt nicht zu bremsen.
Technische Dokumentation als durchsuchbare Wissensbasis
Jedes Fertigungsunternehmen sitzt auf einem Berg an Dokumenten. Betriebsanleitungen, Wartungshandbücher, interne Arbeitsanweisungen, DIN- und ISO-Normen, Zeichnungen, Prüfberichte. Zusammen Zehntausende von Seiten, verteilt über Ordner, Netzlaufwerke, manchmal noch Papierarchive.
Ein Techniker, der eine Frage hat, sucht. Er findet vielleicht etwas, vielleicht die veraltete Version, vielleicht die falsche Norm. KI mit RAG (Retrieval Augmented Generation) ändert das grundlegend. Alle Dokumente werden indexiert, und der Techniker stellt seine Frage in natürlicher Sprache. “Welche Oberflächenrauheit ist laut Kundenspezifikation für Bauteil 4711 vorgeschrieben?” Die Antwort kommt mit Quellenangabe aus dem richtigen Dokument, aktuelle Version.
Das reduziert Fehler. Es spart täglich Zeit. Und es funktioniert auch dann, wenn der Kollege, der das früher auswendig wusste, nicht mehr da ist.
Predictive Maintenance
Maschinenausfälle kosten. Ein ungeplanter Stillstand einer Bearbeitungsanlage kostet schnell fünfstellige Beträge, wenn man Ausschuss, Nacharbeit, Schichtkosten und Lieferverzögerungen zusammenrechnet. Predictive Maintenance bedeutet: Sensordaten (Schwingungen, Temperaturen, Stromaufnahme, Drücke) werden kontinuierlich analysiert, und das Modell meldet sich, bevor etwas ausfällt.
Das ist kein Science-Fiction-Szenario. Die Sensoren sind in modernen Anlagen vorhanden. Was fehlte, war die Rechenkapazität, diese Daten lokal und in Echtzeit zu verarbeiten. Mit einer on-premise KI-Station ändert sich das.
Angebotskalkulation aus technischen Unterlagen
Angebote zu erstellen ist zeitintensiv. Ein Ingenieur analysiert die Kundenzeichnungen, schätzt Fertigungszeiten, berechnet Materialkosten, berücksichtigt Risikopositionen. Mit KI-Unterstützung kann ein erster Entwurf automatisch aus Zeichnungen und Spezifikationen generiert werden. Das Ergebnis muss menschlich überprüft und freigegeben werden, aber die Grundarbeit ist getan. Wer heute drei Tage für ein Angebot braucht, kann das auf einen halben Tag reduzieren.
Wissensmanagement beim Demografiewandel
Der Fachkräftemangel ist im deutschen Mittelstand keine abstrakte Statistik. Er hat ein Gesicht: der Schlosser, der seit 1994 dabei ist und im nächsten Jahr in Rente geht. Der Zerspaner, der jede Eigenheit der alten Fräse kennt. Die Qualitätsprüferin, die auf einen Blick sieht, was die Maschine nicht sieht.
KI kann dieses Wissen nicht vollständig ersetzen, aber sie kann helfen, es zu konservieren und zugänglich zu machen. Strukturierte Interviews, dokumentierte Entscheidungsregeln, erfasste Erfahrungswerte aus langjährigen Protokollen. Ein Wissensmanagementsystem auf Basis von KI macht dieses Erbe durchsuchbar.
Lieferantenkommunikation und technische Übersetzungen
Technische Spezifikationen kommen heute aus aller Welt. Lieferanten in Polen, Tschechien, Korea, China schicken Dokumente in verschiedenen Sprachen. Mitarbeiter übersetzen mühsam oder versenden Dokumente an externe Dienste. Beides kostet Zeit oder birgt Risiken. KI auf eigener Hardware übersetzt technische Unterlagen schnell und vertraulich.
Rechnen wie ein CFO
Die Investition in eine KI-Rechenstation ist für einen Maschinenbauer keine fremdartige Entscheidung. Werkzeugmaschinen kosten das Zehn- bis Hundertfache. Ein CNC-Bearbeitungszentrum steht für 500.000 Euro in der Halle und wird über zehn Jahre abgeschrieben.
Ein Server für 75.000 Euro, der über fünf Jahre abgeschrieben wird, ergibt 15.000 Euro AfA pro Jahr. Dazu kommen Strom- und Wartungskosten. Dem gegenüber stehen eingesparte Cloud-Kosten, Lizenzgebühren und, schwerer zu quantifizieren, das Risiko, das man durch gesicherte Datenhoheit vermeidet.
Wer heute für Bildverarbeitung, Dokumentensuche und Anomalieerkennung auf Cloud-Dienste setzt, zahlt leicht 2.000 bis 5.000 Euro pro Monat. Hochgerechnet auf fünf Jahre sind das 120.000 bis 300.000 Euro. Die eigene Station rechnet sich.
Mittelstands-CFOs denken in Investitionen, nicht in Abonnements. Das ist kulturell verankert, und es ist ökonomisch oft korrekt.
Keine Cloud-Abhängigkeit, kein Latenzproblem
Viele Fertigungsstandorte liegen nicht in der Innenstadt einer Großstadt. Gewerbegebiete in der Fläche, Werke in Kleinstädten, Produktionshallen ohne Glasfaser-Direktanschluss. Wer seine Qualitätsprüfung an eine Cloud-API koppelt, koppelt seine Fertigungslinie an die Verfügbarkeit dieser Verbindung.
Ein lokales System fällt nicht aus, wenn der Router streikt oder der Internetanbieter Störungen meldet. Latenz ist kein Problem, wenn alles im eigenen Netzwerk bleibt. Das ist besonders relevant für Echtzeit-Anwendungen an der Linie.
Integration mit bestehender Infrastruktur
Kein Fertigungsunternehmen beginnt bei null. SAP läuft seit Jahren, das MES ist eingeführt, CAD- und PLM-Systeme sind im Einsatz. Neue Technologie muss in diese Umgebung integriert werden, nicht daneben stehen.
Die BRW-B01 stellt eine OpenAI-kompatible API bereit. Das bedeutet: Bestehende Anwendungen, die mit dieser Schnittstelle arbeiten können, sprechen direkt mit der lokalen Station. Keine spezielle Middleware, keine proprietären Protokolle. Wer ein SAP-Plugin, eine MES-Anbindung oder ein eigenes Werkzeug entwickeln lässt, baut auf einem Standard auf.
Für die interne IT ist das eine erhebliche Vereinfachung. Der Aufwand für eigene Integrationsarbeit sinkt, weil die API bekannt und dokumentiert ist.
Technik, die der Aufgabe gewachsen ist
Die BRW-B01 ist mit vier NVIDIA RTX PRO 6000 Blackwell-GPUs bestückt. Zusammen stehen 384 GB GDDR7-VRAM zur Verfügung. Das reicht aus, um mehrere große Modelle gleichzeitig im Speicher zu halten und parallele Anfragen aus verschiedenen Abteilungen zu bedienen, ohne dass Modelle bei jedem Aufruf geladen werden müssen.
Der Prozessor ist ein AMD EPYC Genoa mit 32 Kernen, dazu 192 GB DDR5-ECC-RAM für stabile, fehlerkorrigierte Operationen. Der Speicher umfasst 4 TB NVMe-RAID mit einer Lesegeschwindigkeit von 59,3 GB/s für schnellen Datenzugriff sowie eine separate 1 TB Boot-SSD. Acht Lüfter sorgen für aktive Kühlung im 5U-Rackmount-Gehäuse. Das Betriebssystem ist Ubuntu 24.04 LTS.
Die Station ist kompakt genug für einen Serverschrank in der IT oder im Produktionsbereich und robust genug für den Dauerbetrieb. Gebaut in Baden-Baden.
Empfehlung von Badische Rechenwerke
Für Maschinenbau- und Fertigungsunternehmen mit 150 bis 1.000 Mitarbeitenden, die KI-gestützte Qualitätssicherung, Dokumentensuche, Predictive Maintenance oder Wissensmanagement einführen wollen, ohne ihre Betriebsgeheimnisse in externe Systeme zu geben, ist die BRW-B01 die richtige Wahl.
Die Investition beträgt 75.000 € zzgl. MwSt. Sie erhalten eine fertig konfigurierte Station, die sofort in Betrieb genommen werden kann, mit einer Standard-API, die sich in bestehende ERP-, MES- und PLM-Systeme integrieren lässt.
Wer ernsthaft in KI für die eigene Fertigung investieren will, braucht keine Cloud. Er braucht Rechenleistung, die er kontrolliert, in einem Gehäuse, das in sein Rechenzentrum passt.
FAQ
Warum sollte ein Maschinenbauunternehmen KI nicht über die Cloud betreiben?
Weil Prozessparameter, Werkzeugdaten, Qualitätsrezepte und Kundenspezifikationen das Herzstück jedes Mittelstandsunternehmens sind. Wer diese Daten an externe APIs schickt, gibt Betriebsgeheimnisse aus der Hand. On-premise-Inferenz bedeutet: Die Daten verlassen das Unternehmensnetzwerk nie.
Welche konkreten Anwendungsfälle gibt es für KI in der Fertigung?
Qualitätssicherung per Bildverarbeitung, Predictive Maintenance auf Basis von Sensordaten, RAG-Systeme über technische Dokumentation (Betriebsanleitungen, DIN/ISO-Normen, Zeichnungen), KI-gestützte Angebotskalkulation, Wissensmanagement beim Ausscheiden erfahrener Mitarbeiter sowie automatische Übersetzung technischer Unterlagen für internationale Lieferantenkommunikation.
Wie lange dauert die Amortisation einer BRW-B01?
Das hängt von Ihren bisherigen Cloud-Kosten und Lizenzgebühren ab. Bei einem mittleren Fertigungsunternehmen, das Bildverarbeitung, Dokumentensuche und Predictive-Maintenance-Modelle kombiniert, sind Cloud-Kosten von 2.000 bis 5.000 € pro Monat realistisch. Die BRW-B01 kostet 75.000 € netto und wird steuerlich über fünf Jahre abgeschrieben. Die Einsparung gegenüber vergleichbaren Cloud-Diensten deckt die Investition in vielen Fällen innerhalb von zwei bis drei Jahren.
Funktioniert die BRW-B01 auch in Werken ohne zuverlässige Internetverbindung?
Ja, das ist ein zentraler Vorteil. Viele Fertigungs- und Maschinenbaustandorte befinden sich außerhalb von Ballungszentren. Die BRW-B01 betreibt alle KI-Modelle vollständig lokal. Internetverbindung ist für den Betrieb nicht erforderlich.
Kann die BRW-B01 an bestehende ERP- und MES-Systeme angebunden werden?
Ja. Die Station stellt eine OpenAI-kompatible API bereit, die sich in bestehende Software-Infrastruktur integrieren lässt, darunter SAP, proALPHA, verschiedene MES-Systeme sowie CAD/CAM- und PLM-Umgebungen.
Welche KI-Modelle laufen auf der BRW-B01?
Durch die vier NVIDIA RTX PRO 6000 Blackwell mit zusammen 384 GB GDDR7-VRAM lassen sich aktuelle Open-Source-Modelle in voller Auflösung betreiben, darunter Llama, Mistral, DeepSeek, Qwen sowie spezialisierte Vision-Modelle für Bildverarbeitung. Welche Modelle konkret eingesetzt werden, richtet sich nach dem jeweiligen Anwendungsfall.
Was ist bei der technischen Dokumentation der größte Vorteil von KI?
Techniker müssen nicht mehr durch Ordner und PDFs suchen. Sie stellen ihre Frage in natürlicher Sprache und erhalten eine präzise Antwort mit Quellenangabe aus dem relevanten Handbuch oder der Norm. Das spart täglich Zeit und reduziert Fehler durch veraltete oder falsch interpretierte Informationen.
Wie viel VRAM braucht man für sinnvolle Fertigungs-KI-Anwendungen?
Für reine Textanwendungen (RAG, Dokumentensuche, Angebotskalkulation) reichen oft 24 bis 48 GB VRAM. Sobald Bildverarbeitung für Qualitätssicherung oder multimodale Modelle ins Spiel kommen, steigt der Bedarf erheblich. Mit 384 GB VRAM hat die BRW-B01 genug Spielraum, um mehrere Modelle gleichzeitig im Speicher zu halten.